|
|
|
Weihrauch in den alten Texten des Ayurveda
Die Rinde und das Harz von Boswellia serrata als Heilmittel werden in
einem der ältesten Textsammlungen der Literatur aus Indiens
Naturheilkunde, der Charaka-Samhita (vermutlich 7.Jahrhundert v. Chr.),
nur kurz erwähnt.
Eine Erklärung liegt darin, dass ärztliches Wissen in der Frühphase
der vedischen Zeit in sehr enger Anbindung an einen ärztlichen Lehrer
zunächst nur mündlich weitergegeben wurde. Die vedischen Texte selbst
erläutern, dass der Ayurveda mit seinen verschiedenen Zweigen und
Heilanwendungen als gegenwärtiges Wissen im eigenen Bewusstsein erkannt,
also geschaut wurde. Erst nachdem die Ärzte diese Fähigkeit zur
Innenschau allmählich verloren hätten, sei es notwendig geworden, das
Wissen von Kräutern und anderen Heilmitteln aufzuschreiben. Die vedische
und die ayurvedische Literatur entwickelte sich daher erst nach und nach,
entsprechend den Bedürfnissen der jeweiligen Zeit und mitunter über
große Zeiträume.
Konkretere Hinweise auf Heilwirkungen des indischen Weihrauchs werden
deshalb auch wiederum in einem viel späteren, aber sehr renommierten
Werk, dem Bhava Prakash, ausgedrückt. Es wurde ca. 1500 n.Chr.
geschrieben. Sein Autor war vor allem dadurch bekannt geworden, daß er
die Syphilis beschrieben und erfolgreich behandelt hatte. Sie war von den
Portugiesen nach Indien eingeschleppt worden.
Verdichtete Information
Die ayurvedischen Texte sind in Sanskrit verfasst und daher sehr
gesetzmäßig aufgebaut und das mitgeteilte Wissen sehr komprimiert. Ihr
Informationsgehalt ist verdichtet, vergleichbar der einer DNS, der
genetischen Information einer Zelle. Sie enthält die gesamte Information
sozusagen in Samenform. Nur durch die kompetente Übersetzung eines
Fachmannes im Sanskrit und der ayurvedischen Medizin kann der
gesamte Informationsgehalt der Sutren, der metrischen Verse, freigelegt
werden. Freizulegen gilt es dann auch das gesamte Wirkspektrum und die
volle Heilkraft der Pflanzenstoffe oder Mineralien.
So sind auch die zwei Sutren, die im Bhava Prakash den Weihrauch
beschreiben, Schritt für Schritt zu entschlüsseln. Ein Wort hat dabei
oft verschiedene Bedeutungen, die erst im Zusammenhang gedeutet werden
können oder die verschiedenen Facetten einer Sache, in unserem Falle des
Weihrauchs, beschreiben. Dazu ein Beispiel: Das Wort samudhirita in
dem zweiten Vers der in Abbildung.. vorgestellten Textstelle hat die
folgenden Bedeutungen: "anregend" (geistig und körperlich),
"heraus, nach oben bringend" (Auswurf fördernd), "die Stimme
stärkend" und schließlich "aufbauend" (körperlich und
seelisch).
Eine weitere Möglichkeit, Information "rüberzubringen" liegt in
der typischen Sprachform, in der die Texte verfasst sind, den Sutren. Als
rhythmische Verse drücken sie nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch
durch eine bestimmte Metrik und Klangstruktur die Eigenschaften des
Gegenstands, den sie beschreiben aus.
Weitere Heilwirkungen
In einem Ergänzungswerk, dem Dhanvantari Nigantu, in dem die
Substanzen in ihren Wirkungen noch näher beschrieben werden, sind alle
heute wieder bekannten Heilwirkungen des Weihrauchharzes und einige mehr
aufgeführt. Es wird als hilfreich bei der Behandlung folgender
Erkrankungen genannt:
Geschwüre, Tumoren, Gicht, Zysten in der weiblichen Brust, Durchfall,
Ruhr, Hämorrhoiden, Asthma, Bronchitis, chronische Laryngitis, Gelbsucht,
Syphilis und Hautkrankheiten. Das Harz senkt außerdem Fieber, ist Auswurf
fördernd, hilft gegen Gebärmutterentzündungen, Hodenerkrankungen,
Husten, Stomatits und Arthritis.
Eigenschaften und Wirkungen von Weihrauch nach dem
ayurvedischen Sanskrittext Bhavaprakash

Sutra 22
Sallaki ist Nahrung der Elefanten und der reichlich fließende,
wohlduftende Nährsaft des Weihrauchbaumes.
Dieser entlässt (produziert) sein Harz, reichlich fließend, einen
(heil)kräftigen
Saft.
Sutra 23
Sallaki ist adstringent und kühlend und heilt schleimig-entzündlichen
Durchfall (im erweiterten Sinne auch andere Entzündungskrankheiten der
Schleimhäute wie Bronchitis, Arthritis oder Weißfluss, die mit einem
Übermaß von pitta ( Entzündung) und shlesma (Schleim, Ödem) einher
gehen.
Sie heilt Blutungen (auch entzündliche Störungen des Blutes) und
Wunden, regt an, bringt heraus und nach oben (fördert das Abhusten ),
stärkt die Stimme und baut körperlich und seelisch auf.
Abbildung: Die Eigenschaften und Wirkungen von
Sallaki, dem indischen Weihrauchbaum in dem im 14.Jahrhundert verfaßten
ayurvedischen Text Bhava prakasha Nighantu; Hersgb.: Pandita
Vishvanathadvivedi Shastri, Motilal Banarsidas, Delhi 1977.S.342.
Übersetzung mit Unterstützung von Priv.Doz. Dr. habil. Martin Mittwede.
Die gewählte Übersetzung gibt die grundlegenden und einfachen
Informationen wieder, die im Text enthalten sind, kann aber in Verbindung
mit medizinischem Wissen erweitert werden, wie an einigen Stellen in
Klammern angedeutet. Sallaki, der gängige Name für Boswellia serrata,
ist femininum..
|
|
Boswellia serrata- Sallaki
Weihrauch als antikes und ayurvedisches Heilmittel
Eine kurze Übersicht
von Dr.med. Ernst Schrott, (weitere Informationen siehe in dem Buch
"Weihrauch",
neu erschienen im Aurum-Verlag)
Das Harz des Weihrauchbaumes wird seit Jahrtausenden weltweit nicht nur
als herausragendes Räuchermittel bei spirituellen und weltlichen
Anlässen, sondern auch als Heilmittel verwendet. Der 4 bis 6 Meter hohe
Baum oder Strauch wächst nur auf sehr kargen, trockenen Böden bestimmten
Mineralgehalts und gehört zu den Balsambaumgewächsen. Diese sondern
aromatische Balsame in speziellen Exkretgängen der Rinde ab. Durch
Anritzen des Stammes und der Äste wird die Produktion des Balsames
intensiv vermehrt, trocknet an der Sonne zu Harz und wird so geerntet.
Hauptanbaugebiete von Weihrauch waren und sind bis heute der Süden
Arabiens, wo Boswellia sacra wächst, das Hinterland der
ostafrikanischen Küste (Boswellia carteri) und schließlich
Ost-Indien (Boswellia serrata). Die jetzt vor allem in Deutschland
wiederentdeckten Heilwirkungen eines ayurvedischen
Weihrauchspezialextrakts beziehen sich auf die indische Stammpflanze.
Heilanwendungen in der antiken Welt
Zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten sind durch die bekanntesten Ärzte
verschiedener Zeitepochen überliefert.
So wurde zerstampfter Weihrauch mit Honig in dem ältesten ägyptischen
Schriftstück, dem Papyrus Ebers (16.Jh. v. Chr.), einem Handbuch für
praktische Ärzte, als Heilmittel genannt. Dieses Rezept hat sich bis ins
20.Jahrhundert als Kaumittel für frischen Atem bei den Ägypterinnen
erhalten. Im frühmittelalterlichen Persien (um 1100) setzten die
Heilkundigen Olibanum gegen Sommersprossen, Pockennarben und Tollwut ein.
Arabische Ärzte kannten über 80 Rezepte gegen Hautkrankheiten, wie
Wundrose, verwendeten Weihrauch bei Schnupfen als Dampfanwendung oder
verordneten ihn als Anti-Brechmittel und gegen übermäßigen Blutfluß.
In China wurden mit Olibanumzubereitungen ebenfalls Hautkrankheiten,
darunter die Lepra, behandelt.
Weihrauch bei Hippokrates
Hippokrates, Celsus, Galen oder Dioskurides waren in der
griechisch-römischen Antike die maßgebenden Ärzte ihrer Zeit. Auch sie
verwendeten Weihrauchharz und Rinde in allen Varianten: Als
Salbenzubereitung gegen Brandwunden und Frostbeulen, bei Schuppenflechte
oder Warzen oder als Pulver zum reinigen und desinfizieren von Wunden und
zur Blutstillung. Spezielle Einläufe mit Weihrauchzubereitungen dienten
gegen Verstopfung, Inhalationen mit dem Rauch besserten bei Bronchitis,
Gurgelwasser half bei Mandelentzündung und Umschläge linderten
Leibschmerzen. Innerlich angewendet trieb er - schenkt man den alten
Berichten Glauben- Band- und Spulwürmer ab und stoppte Durchfall.
Übereinstimmende Heilanzeigen
Ungeachtet der ganz unterschiedlichen Zeitepochen und geographischen
Entfernungen kamen die Ärzte zu bestimmten einheitlichen Heilanzeigen des
Weihrauchs: Immer wieder genannt wurden die Blutstillung, katharrhalische
Krankheiten, Bronchitis, Magen-Darmstörungen, Infektionskrankheiten,
Verletzungen und die Gicht, mit der nach damaliger Terminologie auch
andere rheumatische Krankheiten gemeint sein könnten, die mit
Gelenkschwellungen machen. Einige dieser Anwendungen decken sich mit
heutigen Beobachtungen. Es ist auffallend, daß der Weihrauch von diesen
Ärzten auch für eine Vielzahl von gutartigen und bösartigen
Tumorgeschwulsten als innerliches und äußerliches Heilmittel eingesetzt
wurde.
Wiederentdeckung als Heilmittel heute
Mit Beginn des 20.Jahrhunderts verschwindet Weihrauch als Heilmittel
fast völlig aus den Kräuterbüchern. Fast zeitgleich mit der umfassenden
Neubelebung und weltweite Verbreitung des Ayur-Veda durch herausragende
Experten und unter der Initiative und Führung von Maharishi Mahesh Yogi
wird er nun als Heilmittel wiederentdeckt.
Seine Wiedergeburt beginnt etwa vor 15 Jahren, als Sallaki (H15) als
ayurvedisches Mittel gegen rheumatische Krankheitbilder von Dr.med.Rainer
Etzel in den Westen gebracht und seither wissenschaftlich intensiv
erforscht wurde.
Biochemische Wirkmechanismen
Einige der biochemischen Wirkmechanismen sind inzwischen bekannt:
Die Boswelliasäuren von Sallaki hemmen selektiv und nicht-kompetitiv
die 5-Lipoxygenase, ein Schlüsselenzym im Entzündungsgeschehen.
Die 5-Lipoxygenase wandelt Arachidonsäure in die Entzündungsmediatoren Leukotriene
um. Daraus wird verständlich, daß der ayurvedische
Weihrauch-Spezialextrakt bei verschiedenen Erkrankungen am Patienten eine
Wirksamkeit zeigt, denen eine vermehrte Leukotrienbiosynthese zugrunde
liegt. Das sind vor allem entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, Colitis
ulcerosa und M.Crohn und die Gliatumoren Astrozytom und Glioblastom. Bei
letzteren verringert das ayurvedische Mittel hochwirksam das peritumorale
Hirnödem und wirkt bei einigen Patienten tumornekrotisierend. Ein
möglicher biochemischer Angriffspunkt für letzteren Effekt ist die
Topoisomerase I und II, die durch Boswelliasäuren gehemmt werden. Diese
Enzyme sind an der genetischen Veränderung von Tumorzellen wesentlich
beteiligt.
Weihrauch vermutlich bei weiteren Krankheiten wirksam
Eine Reihe anderer Krankheitsbilder wie Multiple Sklerose, Psoriasis,
allergische Erkrankungen oder Morbus Alzheimer scheinen nach
Einzelfallbeobachtungen ebenfalls auf das ayurvedische Präparat
anzusprechen. Verläßliche klinische Studien liegen hier noch nicht vor.
Zur Zeit wird im Verbund an mehreren Uni-Kliniken in Deutschland weiter
über das ayurvedische Präparate geforscht.
Seine Wirksamkeit am Menschen scheint wesentlich von der besonderen
ayurvedischen Herstellungsweise abzuhängen. Sallaki ist auch in dem MA
Präparat 930 (Fa. MAPI, Neu Delhi, Indien), das gegen rheumatische Krankheiten indiziert ist,
enthalten.
|
|